Die „neue“ Norm DIN EN 62368-1:05-2016 vor ihrer 3. Ausgabe

 

Aus den beiden Normen DIN EN 60950 und DIN EN 60085 hat das TC 108 bei IEC die zusammenfassende und stark erweiternde Norm IEC 62368 geschaffen, die in Kürze als DIN EN 62368-1 bindende Wirkung erreicht.
(CMC Klebetechnik, Nov. 2017)

Diese Norm gilt für elektrische und elektronische Einrichtungen im Bereich Audio- und Videotechnik, Informations- und Telekommunikationstechnik sowie für Bauteile und Baugruppen, die zum Einbau vorgesehen werden sowie externe Netzteile (z.B. Steckernetzteile).

Die Norm befasst sich mit der Thematik der (mechanischen, elektrischen, thermischen,….) Sicherheit von Geräten und Einrichtungen und den Auswirkungen auf Personen im Fehlerfall.

Um die Norm leicht verständlich zu halten, wurde ein Drei-Block-Modell gewählt. Es gibt die Energiequelle (z.B. heisse Oberfläche), den Energieübertragungsweg (z.B. elektrisch leitende Oberfläche) und der von der Energieeinwirkung betroffene Mensch (Körperteil).
Ebenso ist das Maß der Beeinträchtigung in drei Energieklassen definiert: Eine Energieklasse der Stufe 1 ist spürbar aber nicht schmerzhaft, eine Entzündung ist unwahrscheinlich. Energieklasse 2 ist schmerzhaft, verursacht aber noch keine ernsthaften Verletzungen und die Brandwahrscheinlichkeit ist zwar da, aber der Brand dehnt sich nur begrenzt aus. Alle weiteren, schlimmeren Folgen sind in der Stufe 3 zusammen gefasst.

Um eine Verletzung (zum Beispiel Herausfallen eines Einschubes aus einem Schaltschrank) oder Gefährdung (Öffnungen in Gehäuse eines elektrischen Gerätes größer als Prüffinger) zu vermeiden, werden verschiedene Schutzvorrichtungen definiert. Diese sind vor allem aus dem Umfeld elektrischer Isolationen gut bekannt:

-          Basisschutzvorrichtung

-          Zusätzliche Schutzvorrichtung

-          Verstärkte Schutzvorrichtung

-          Doppelte Schutzvorrichtung (Basis- + Zusätzl.)

 Als dritte Einflußgröße definiert die Norm zusätzlich noch den Personenkreis (Laie, unterwiesene Person, Fachkraft). Deren Nutzerprofil definiert die jeweils notwendigen Maßnahmen zum Schutz vor einer der drei Energiequellen-Klassen.

Im Bereich der elektrischen Sicherheit und den dafür notwendigen „Safeguard-Vorrichtungen“ gibt es mit der Ausgabe 3 weitere Änderungen. Diese betreffen die Definitionen von Energieeinwirkungslevels beim Vorhandensein von Energiequellen aller drei Klassen (spürbar bis lebensbedrohend) in einem Gerät/einer Einrichtung. Dazu wird auch die Ermittlung der Luft- und Kriechstrecken nochmals genauer definiert.

Im Abschnitt 5.4.2.1 wird dazu eine zusätzliche Tabelle eingefügt, welche die Ermittlung der erforderlichen Luftstrecke bei Basis-, zusätzlicher und verstärkter Isolation ergänzt.
Weiterhin werden die „Fully insulated Wires (zero defect; IEC 60317-0-7)“ eingeführt, die aus der Trafonorm IEC 61558-2-16 mit übernommen wurden und die Möglichkeit bieten, noch kompaktere, elektrisch sichere Geräte zu bauen (Reduktion der Luft- und Kriechstrecke; weitgehender Wegfall der Notwendigkeit von Zwischenlagenisolation).

Die Änderungen der Norm in der Ausgabe 3 umfassen auch weitere Energiearten wie Mechanik, Akustik und Strahlenbelastung. Die Verfeinerung der Angaben verbessert die Abstimmung zwischen Hersteller und Kunde. Gleichzeitig entwickelt sich die Norm immer mehr zu einem Standard für Sicherheitsbetrachtungen über die Telekommunikations- und Informationstechnik hinaus. Die Dritte Ausgabe wird spätestens 2020 die Ausgabe 2 ablösen.